Kielan & Kielan | DURCHDRUNGEN | 20.02.2016 - 10.04.2016 | Kaisertrutz Görlitz

Präsentiert werden Arbeiten von Piotr Kielan und Katarzyna Koczyńska-Kielan, Professoren an der Kunstakademie Wrocław, die Piotr Kielan seit 2012 als Rektor leitet.
Zwei Organisationsprinzipien bestimmen die Ausstellung – Kontrast und Ähnlichkeit. Denn das Künstlerehepaar durchdringt die Komplexität und Vielfalt der Welt mit unterschiedlichen Mitteln: Piotr Kielan nimmt sie als Maler und Zeichner wahr, seine Frau übersetzt sie als Keramikkünstlerin in Skulpturen und Reliefs. Malerei und Keramikskulptur stehen in der Ausstellung entweder in Opposition zueinander oder sie ergänzen sich. Die Natur als der wichtigste Bezugspunkt im künstlerischen Schaffen verbindet beide Künstler. Auch die unterschiedliche Intensität und Sättigung der Farben, wechselnde Wärme und Kälte der Farbpalette in Abhängigkeit vom interpretierten Phänomen, die Sensibilität auf die Struktur und Oberflächenbeschaffenheit der Materie sind gemeinsame Nenner für die so grundverschiedenen Ausdrucksformen. Oft lassen sich ähnliche Phänomene oder Themen in den Arbeiten beider Künstler wiederfinden, gemeinsame Reisen oder Reflexionen über Naturerscheinungen und Stimmungen.
Die Ölmalerei von Piotr Kielan ist die Interpretation seiner Begeisterung für die Natur, die Landschaft, das Licht. Die beinahe abstrakten Bilder, ausgefeilt in ihrer Struktur und mehrschichtigen Lasurtiefe, beeinflussen expressiv die Perzeption des Beobachters. Beim Aufbau der Spannung in den Keramikobjekten von Koczyńska-Kielan spielt die Struktur des Materials eine wichtige Rolle. Der durch Brennen festgehaltene Ton, ein Bestandteil der Erde, ist zugleich eine Erzählung über sie.

Meine Inspiration ist die Natur. Diese Natur muss man nur für sich selbst entdecken. Ihr Phänomen besteht in ihrer Normalität – und gleichzeitig in ihrem inspirativen Reichtum. Die zuvor gesammelten Erfahrungen lassen mich malerisch und zeichnerisch einen Bezug zu Situationen finden, die ich bereits gesehen, erlebt, analysiert habe. Ich übertrage sie dann auf eine Leinwand oder auf Papier, diese weiße Fläche, die als erste die Berührung des Pinsels aufnimmt  – die zuvor mit Bleistift vorgezeichnet wurde, mit seiner Spitze, die die Linie des Horizontes, die Grenze eines Waldes oder eines Feldes zieht, die Weichheit einer Wolke vorgibt; um später mit einem Spachtel die raue Struktur der Oberfläche aufzutragen, die unabdingbares Element vieler meiner Arbeiten ist. Das Ringen mit der Fläche, auf die ich meine Visionen der Erinnerung übertrage, ist für mich von enormer Wichtigkeit. Ich bemühe mich, dies mit einer hohen Präzision zu tun – als ob diese erste Handlung meiner Hand eine Vorbedeutung des Endes beinhalte.


Die Erfahrung des Raumes bringt mich auf transzendentale Gedanken. Der Ton ist ein Werkstoff, der wie kein anderer mit der Erde verbunden ist. Mit seiner natürlichen Farbe und Konsistenz, mit seiner sandig-steinigen Struktur ist er für mich eine Inspiration.
Ein wichtiger Aspekt der künstlerischen Spannung ist die Struktur der Materie.
Eine Spur, einen Moment, eine persönliche Reflexion festhalten, wie in einem Ammoniten verewigen.

 

Eine Ausstellung der Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH in Kooperation mit den Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur.

Mit freundlicher Unterstützung von: