Tomasz Domański | FRANZÖSISCHER GARTEN | 04.04.2016 - 07.06.2016 | Galerie Brüderstraße

Beim Festival transNATURALE 2012 erhielt der Entwurf Französischer Garten von Tomasz Domański den ersten Preis im Wettbewerb zur räumlichen Ausgestaltung der Sichtachse vom Schloss Uhyst zum Kraftwerk Boxberg/Oberlausitz im Landschaftspark Bärwalder See. Im Rahmen des Projektes Görlitzer ART wird an die Idee, die ihrer Umsetzung harrt, mit einer Ausstellung in der Galerie Brüderstraße erinnert. Darüber hinaus werden auch andere, bereits im öffentlichen Raum realisierte Werke des Künstler in Bildern präsentiert.

Die Gestaltungsidee und die Formensprache des hier präsentierten Modells nimmt Bezug auf den französischen Garten der Familie von Gersdorff, die im 18. Jahrhundert das Schloss Uhyst bewohnte. Aus der Dokumentation erfahren wir, dass schon die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jhd. für die ursprüngliche Anlage des Gartens einen Verfall einleitete. In den späteren Jahren wurde er nach der herrschenden Mode umgestaltet, und anschließend befasste sich niemand mehr mit der anfänglichen Idee des barocken Gartens.

Mein Vorschlag beruhte darauf, diesen besonderen Landschaftsraum auf eine moderne und anspielungsreiche Weise zu „rekonstruieren“. Mich faszinierte die Person des Friedrich Caspar Graf von Gersdorff, eines Philanthropen und Reformers, der eine Vision der Entwicklung der Oberlausitzer Region verkündete und ihre Bewohner zur Mitgestaltung aktivierte. Ich habe Spuren seiner Arbeit gefunden, die beweisen, dass der Garten quasi zu einem Mehrgenerationen-Projekt wurde. Meine Konzeption des Gartens ist tief in der Vergangenheit dieses Ortes verankert, doch gleichzeitig kreiert sie dessen postmoderne Vision. Um das Schloss herum findet sich grüne Natur, daher entschloss ich mich also, den Garten nur symbolisch anzudeuten. Die Gartenanlage erfüllt so immer noch ihre ursprüngliche Funktion und ist offen für die Menschen.


Tatsächlich lässt sich der industrielle Charakter der Umgebung des Bärwalder Sees mit dem Betonbau des Kraftwerkes weder leugnen noch verbergen, und deswegen habe ich Beton als das primäre Material verwendet. Das Gebäude des Braunkohlekraftwerkes am anderen Ufer des Sees wurde zu einem Bindeglied zwischen der modernen Landschaft und der historischen Tradition dieses Ortes.


Auf der Welt existieren zwei formal und technisch ähnliche Projekte. Dabei denke ich an das Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Holocaust Memorial to the Murdered Jews of Europe) in Berlin von Peter Eisenman und dem BuroHappold Engineering, sowie an das weniger bekannte Grande Cretto von Alberto Burri auf Sizilien, das an das Erdbeben im Städtchen Gibellina 1973 erinnert. Beide Gedächtnisbauten sind tragischen Ereignissen aus der Vergangenheit gewidmet. Beim Französischen Garten beziehe ich mich auf die Geschichte, mit Betonung auf die Schönheit der Landschaft und die grüne Umgebung des Schlosses von Uhyst.


Im Raum des Französischen Gartens ist der Besucher auch gleichzeitig aktiver Teilnehmer des künstlerischen Arrangements, welches die Grundgedanken der Bildhauerei, der Architektur und der Installation miteinander vereint. Meines Erachtens zeigt jede Darstellung eines Gartens auch einen Entwicklungsprozess, den Garten als etwas Wandelbares, Veränderliches, Wachsendes. Die Blumenbeete aus Beton symbolisieren bei mir die Beständigkeit der Form – was im Falle eines Gartens die stete Arbeit eines Gärtners beinhaltet, der eine vorgegebene Formensprache in der Gestaltung aufrechterhält.


Französischer Garten, von der Hand eines Menschen geformt, erinnert an die Mühen auf dem Weg zur Ordnung und Harmonie. Ich wünsche mir, dass meine Präsentation in der Galerie Brüderstraße von ihren Besuchern als eine Metapher verstanden wird, die die Geschichte und die zukünftige Entwicklung dieser Region miteinander verbindet – als Fortführung der gemeinsamen Idee, besondere Orte zu gestalten und zu bewahren.


Tomasz Domański

(Übersetzung: Paulina Schulz)